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Blühst du wieder, Herbstzeitlose, Blaßgefärbte, düftelose, Großgewiegt vom rauen Wind, Du des Sommers letztes Kind? Blühst aus herbstlich feuchten Matten In des Waldtals stillen Schatten, Wo die grauen Weiden stehn, Wo die leisen Bächlein gehn. Blühst aus blumenleeren Auen, Nicht zum Pflücken, nur zum Schauen, Arm an Reiz und klein von Wuchs, Nackt und bar des Blätterschmucks. Mitten in des Jahres Pracht, Niemand hätte deiner Acht. Sollst ja Gift im Kelche führen, Ich bekam es nie zu spüren. Aber nun das Jahr im Sterben, Schon die Wälder sich entfärben: Vom geschor'nen Wiesenplan Blickst du mich noch tröstlich an. Lenz und Sommer sind verronnen, Durchgeschwelgt des Jahres Wonnen, Vom verrauschten Freudenfest Schlürf' ich noch den letzten Rest; Schlürf' aus diesen kleinen Kelchen Mit den zarten Fußgestellchen Noch zum Schluss mit stillem Dank Wehmutsvoll den Abschiedstrank. Karl Gerok (1868-1890)
Jahreszeit der Nebel und der milden Fülle. Wo sind die Lieder des Frühlings? Ach, wo sind sie? Denk nicht an sie, auch du hast deine eigene Musik, — während gestreifte Wolken den sanft sterbenden Tag erblühen lassen und die Stoppelfelder mit rosigem Schimmer berühren; dann klagen die kleinen Mücken in wehmütigem Chor zwischen den Weiden am Fluss, mal hoch getragen, mal sinkend, wie der leichte Wind auflebt oder erstirbt; und ausgewachsene Lämmer blöken laut von den Hügeln; Heckengrillen zirpen; und nun pfeift mit sanftem Diskant das Rotkehlchen von einem Gartenrain; und die sich sammelnden Schwalben zwitschern am Himmel. John Keats, 1819