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Jetzt kostenlos anmeldenGedicht von Johann Wolfgang von Goethe Zwei Personen ganz verschieden Luden sich bei mir zu Tafel, Diesmal lebten sie in Frieden, Fuchs und Kranich, sagt die Fabel. Beiden macht ich was zurechte, Rupfte gleich die jüngsten Tauben; Weil er von Schakals Geschlechte, Legt ich bei geschwollne Trauben. Langgehälstes Glasgefäße Setzt ich ungesäumt dagegen, Wo sich klar im Elemente Gold- und Silberfischlein regen. Hättet ihr den Fuchs gesehen Auf der flachen Schüssel hausen, Neidisch müsstet ihr gestehen: Welch ein Appetit zum Schmausen! Wenn der Vogel ganz bedächtig Sich auf einem Fuße wiegte, Hals und Schnabel, zart und schmächtig, Zierlich nach den Fischlein schmiegte. Dankend freuten sie beim Wandern Sich der Tauben, sich der Fischchen; Jeder spottete des andern Als genährt am Katzentischchen. Willst nicht Salz und Schmalz verlieren, Musst, gemäß den Urgeschichten, Wenn die Leute willst gastieren Dich nach Schnauz und Schnabel richten.
Wenn der Wald im Winde rauscht, Blatt mit Blatt die Rede tauscht, möcht ich gern die Blätter fragen: Tönt ihr Wonnen? Tönt ihr Klagen? Springt der Waldbach talentlang, mit melodischem Gesang, frag ich still in meinem Herzen: Singt er Wonne? Singt er Schmerzen? Justinus Kerner (1786 - 1862), deutscher Arzt, Dichter der schwäbischen Romantik
Ich bin ein Wort, das die Natur gesprochen Und dann zurückgenommen In ihrem Herzen barg, Um es ein zweites Mal zu äußern. Ich bin ein Stern, der einst vom blauen Himmel Auf einen grünen Teppich fiel. Ich bin der Elemente Tochter: Im Winter getragen, Vom Frühling geboren, Erzogen vom Sommer; Der Herbst legt mich zur Ruh. Ich bin ein Geschenk für Liebende Und eine Hochzeitskrone. Ich bin die letzte Gabe der Lebenden an die Toten. Wenn der Morgen kommt, Künden ich und der Wind Vom Licht. Und am Abend sagen die Vögel und ich ihm Lebewohl. Ich schwebe über den Ebenen Und verschönere sie. Ich schicke meinen Wohlgeruch in die Lüfte. Ich umarme den Schlummer, Und die mannigfaltigen Augen der Nacht blicken lange auf mich. Ich such das Erwachen, um auf das Einzige Auge des Tages zu schau′n. Ich trinke von des Taues berauschendem Nass Und höre der Amsel Lied. Ich tanze zum Rhythmus des sich wiegenen Grases Und blicke immer zum Himmel, das Licht zu sehen, Nicht, um darin mein Bild zu betrachten. Dies ist eine Weisheit, die der Mensch noch nicht kennt. Khalil Gibran 1883-1931
Auch Quellen und Brunnen versiegen, wenn man zu oft und zu viel aus ihnen schöpft. - Demosthenes