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Mord im Teeladen (5) - italienische Pumps, 35-36

Earl Grey No. 69 Am Ende war die Sache gleichzeitig komplizierter und einfacher gewesen, als Clara gedacht hatte. Professor von Rabenau hatte das Porzellan nicht selbst geschmuggelt. Sie hatte etwas getan, das für eine pensionierte Kunsthistorikerin vielleicht noch verführerischer gewesen war. Sie hatte es identifiziert. Bewertet. Und Käufer vermittelt. Alte chinesische Teeschalen, Kannen und kleine Service waren zwischen regulären Warenlieferungen nach Deutschland gelangt. Der Teeladen diente als Zwischenstation. Bestimmte Teesorten bezeichneten bestimmte Lieferungen. Earl Grey No. 69 bedeutete: Ware angekommen. Die zweite Aushilfe im Laden war Teil des Rings. Sie sorgte dafür, dass die richtigen Kisten verschwanden, bevor jemand Fragen stellte. Und Miriam? Miriam war nicht zufällig auf die Sache gestoßen. Sie hatte mitgemacht. Anfangs. Ein paar zusätzliche Handgriffe. Eine Kiste nach Ladenschluss beiseitestellen. Eine Nachricht verschicken. Dafür gab es Geld. Dann hatte sie begriffen, was sie da eigentlich transportierten. Und wie wertvoll es war. Vor allem aber hatte sie erfahren, dass einige Stücke vermutlich aus illegalen Grabungen und zweifelhaften Sammlungen stammten. Miriam wollte aussteigen. Sie wollte zur Polizei. Die zweite Aushilfe wusste davon. Am Abend vor Miriams geplantem Gang zur Polizei stellte sie eine präparierte Dose Earl Grey No. 69 ins Regal. Miriam hatte die Angewohnheit, an neuen Teesorten zu riechen. Sie öffnete die Dose. Beugte sich darüber. Wenige Augenblicke später verlor sie das Bewusstsein. Der Hocker wurde anschließend umgestoßen. Ein Arbeitsunfall. So sollte es aussehen. Professor von Rabenau wurde wegen ihrer Beteiligung am Schmuggelring festgenommen. Die Aushilfe wegen Mordes. Nur eine Sache blieb. Die Gräfin. Clara besuchte sie ein letztes Mal. „Sie haben mich angelogen.“ Gräfin Hohenlohe zu Hohenstein seufzte. „Das kommt vor.“ „Sie wussten, was Earl Grey No. 69 bedeutet.“ Die Gräfin stand auf. Sie ging zu einem Schrank und öffnete ihn. Darin stand eine kleine Teeschale. Fast durchscheinendes Porzellan. Ein zarter Dekor. Blau, Rot und Gold. Clara betrachtete sie. „Oh.“ „Ja.“ „Wie viel?“ Die Gräfin nannte eine Summe. Clara setzte sich. „Oh.“ „Ich fürchte“, sagte die Gräfin, „ich habe mich zu einem unvernünftigen Kauf hinreißen lassen.“ „Sie haben gestohlene Kunst gekauft.“ „Im Nachhinein betrachtet war das der unvernünftige Teil.“ Später saß Clara im Präsidium. Ihr Kollege stellte ihr eine Tasse hin. „Tee?“ Clara blickte misstrauisch hinein. „Was für einer?“ „Assam.“ Sie nahm die Tasse. „Ausgezeichnet.“ Ende Schuhe: vier Paar italienische Pumps zusammen, Gr. 35-36, 50 € eine Packung Earl Grey Nr. 69: ca. 9 € (bei TeeGschwendner!😀)

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€ 27
Mord im Teeladen (4) - Rock, 36, Pumps, 35,5

Die Professorin geht zum Friseur Selbst beim Friseur ließ Professor von Rabenau sich nicht lumpen. Als Clara am nächsten Morgen den Salon betrat, saß die Professorin bereits vor dem Spiegel. Sie trug einen Bleistiftrock aus einer kleinen Boutique mit auffälligem grafischem Muster, einen schwarzen Rollkragenpullover und – wieder – italienische Pumps. „Sie sind hartnäckig“, sagte sie. „Berufsbedingt.“ Clara setzte sich neben sie. „Earl Grey No. 69 ist kein Tee.“ „Das halte ich für eine gewagte Behauptung.“ „Doch. Natürlich ist es Tee. Aber die Nummer bedeutet noch etwas anderes.“ Die Professorin schwieg. Clara legte ein Foto der Holzkiste auf den Tisch. „Neunundsechzig war ein Liefercode.“ Die Professorin betrachtete das Foto. Dann Clara. „Sie sind nicht ganz so langsam, wie ich zunächst dachte.“ „Danke.“ „Das war kein Kompliment.“ „Das dachte ich mir.“ Die Professorin wandte sich wieder ihrem Spiegelbild zu. „Ich habe diese junge Frau nicht getötet.“ Clara hatte noch gar nicht behauptet, dass sie es getan hatte. Garderobe: Grafischer Bleistiftrock, Boutique, 36, gut erhalten, 12€ Italienische Designer-Pumps, Gr. 35,5, gut erhalten, 15 €

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€ 65
Mord im Teeladen (3) - Kleid und Mantel, Hallhuber

Am nächsten Vormittag meldete sich die Spurensicherung. „Wir haben etwas.“ „Gift?“ „Auch. Aber das andere gefällt Ihnen besser.“ Clara bezweifelte das. Im Lager des Teegeschäfts stand noch die Holzkiste, in der die letzte Lieferung Earl Grey No. 69 angekommen war. In den Fugen hatten die Ermittler feine Splitter gefunden. Porzellan. Dazu Reste alter Seide und eines Verpackungsmaterials, das mit Tee nichts zu tun hatte. Eine Sachverständige aus dem Museum untersuchte die Splitter. „Chinesisch“, sagte sie schließlich. „Frühes achtzehntes Jahrhundert. Hervorragende Qualität.“ „Teuer?“ Die Frau sah Clara über den Rand ihrer Brille an. „Wenn die Stücke zu dem Service gehören, das ich vermute, wäre teuer ein etwas bescheidenes Wort.“ Am Nachmittag kehrte Clara in den Teeladen zurück. Diesmal befragte sie die zweite Aushilfe. Das Mädchen erinnerte sich zunächst an nichts. Dann an eine ältere Dame. „Sie war Professorin. Also früher. Kunstgeschichte, glaube ich.“ „Name?“ „Keine Ahnung. Aber sie hat von altem chinesischen Porzellan geschwärmt. Wie selten das sei. Wie wunderschön. Sie kannte sich richtig gut aus.“ „Wann war das?“ „Ein paar Tage bevor Miriam gestorben ist.“ Clara zeigte ihr einige Fotos. Beim vierten tippte die Aushilfe auf das Bild. „Die.“ Professorin Dr. Elisabeth von Rabenau. Emeritierte Kunsthistorikerin. Spezialgebiet: ostasiatische Kunst. Clara seufzte. Manchmal waren Kriminalfälle beinahe unverschämt entgegenkommend. Professor von Rabenau war zweiundsiebzig und hatte offensichtlich beschlossen, dass Alter kein Grund für schlechte Kleidung war. Clara fand sie am Abend auf einer Cocktailparty. Sie trug ein schwarzes Etuikleid von Hallhuber in Größe 34, mit Pailletten am Ausschnitt, darüber einen schwarzen Mantel von Hallhuber und schwarze italienische Pumps in Größe 35½. „Professor von Rabenau?“ „Ja?“ „Ich hätte einige Fragen zu chinesischem Porzellan.“ Die Professorin lächelte. „Meine Liebe, wenn Sie mit diesem Satz eine Kunsthistorikerin ansprechen, müssen Sie etwas genauer werden.“ „Frühes achtzehntes Jahrhundert.“ Das Lächeln blieb. „Immer noch ein weites Feld.“ „Aus einer Teekiste.“ Jetzt verschwand es. Nur für einen Augenblick. Aber Clara hatte es gesehen. „Wie reizend“, sagte die Professorin. „Finde ich auch.“ „Ich fürchte, heute Abend habe ich keine Zeit für Sie.“ „Morgen?“ „Um elf.“ „Bei Ihnen?“ „Unmöglich. Ich bin beim Friseur.“ Natürlich war sie das. Garderobe: schwarzes Etuikleis von Hallhuber, Gr. 34, 35 €, gut erhalten schwarzer Mantel von Hallhuber, Gr. 36, 15 €, leichte Gebrauchsspuren schwarze italienische Designerpumps, Gr. 35,5, 15 €, gut erhalten

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€ 78
Mord im Teeladen (2) - Abendkleid von Mexx, 36

Die Gräfin Die Kundenkartei führte Clara noch am selben Nachmittag zu einem Namen. Gräfin Hohenlohe zu Hohenstein. „Sie kauft fast ausschließlich diesen Tee“, erklärte die Filialleiterin. „Earl Grey No. 69. Wir legen ihn ihr sogar zurück.“ „Wie viel?“ „Genug.“ „Wo finde ich die Gräfin?“ „Heute Abend? In der Oper.“ Natürlich. Als Clara sie in der Pause abfing, stand die Gräfin unter dem Vordach des Opernhauses und rauchte. Sie trug ein dunkelblaues Abendkleid von Mexx. Schlicht, elegant und so selbstverständlich getragen, als gehörten Abendkleider bei ihr zur Grundausstattung des menschlichen Daseins. „Frau Gräfin?“ „Wenn Sie wegen meines Wagens kommen, sprechen Sie mit meinem Mann.“ „Ich komme wegen Earl Grey.“ Die Gräfin nahm die Zigarette aus dem Mund. „Das ist neu.“ Clara erzählte ihr von der Toten. Die Gräfin wurde ernst. Draußen war es inzwischen empfindlich kalt geworden. Ein Begleiter brachte ihr einen blauen Daunenmantel von Benetton, den sie über das Abendkleid zog. „Ich war gestern nicht in diesem Laden.“ Das ließ sich leicht überprüfen. Ihre Eintrittskarte war um 18:47 Uhr gescannt worden. In der Pause hatte sie Champagner getrunken. Nach der Vorstellung war sie mit vier Bekannten essen gewesen. Die Gräfin hatte ein wasserdichtes Alibi. Trotzdem wusste Clara beim Abschied, dass sie log. Nur nicht, worüber. Garderobe: nachtblaues Abendkleid von Mexx, 36, 78 €, neuwertig blaue Daunenjacke von Benetton, 36, 18 €, gut erhalten

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