Es ist kein namenloses Haushaltsgerät, sondern ein treuer Begleiter: Mein altes, aber nach wie vor tapfer funktionierendes Severin Dampfbügeleisen. Lange waren wir unzertrennlich. Zu lange, sagte sich wohl auch meine Schwester und hat mit zu Weihnachten ein neues Exemplar eines namenhaften ehemals deutschen Herstellers geschenkt (welchen ich ja eher mit Radiogeräten in Verbindung gebracht hätte...). Vorbei sind damit die Zeiten, in denen wir gemeinsam gegen Falten gekämpft und so manche textile Krise gemeistert haben.
Ja, das Severin hat Gebrauchsspuren. Das Kabel ist leicht beschädigt, so wie man nach vielen Jahren eben kleine Macken bekommt. Die Beschriftung ist vergilbt, weil Zeit auch vor Plastik keinen Halt macht, und die Bügelfläche hat über die Zeit etwas ... nennen wir es mal Patina angesetzt. Charakter eben!
Technisch jedoch bleibt es ein Wunderwerk der Technik: Die stufenlose Temperaturregelung kommt ohne digitale Bevormundung aus, ein ehrlicher Schuko-Stecker, der nicht fragt, sondern einfach liefert und ohne Diskussion in jede Steckdose passt. Dazu eine Dampffunktion, die Falten plattmacht, als hätten sie nie existiert. Kein Display, keine App, keine künstliche Intelligenz – nur reiner, ehrlicher Dampf.
Mit diesem Gerät lässt sich alles bügeln, was sich freiwillig oder unfreiwillig unter die Sohle legt: Socken, T-Shirts, Hemden, Hosen oder Geschirrhandtücher. Auch andere Dinge wundern sich wahrscheinlich bis heute, warum sie plötzlich platt waren: Zum Beispiel Geldscheine, die vor dem Verschenken damit in Form gebracht wurden.
Jetzt jedoch ist der Zeitpunkt der Trennung gekommen. Nicht, weil einer von uns beiden versagt hätte, sondern weil dieses Meisterwerk der Ingenieurskunst jemanden verdient, der Charakter mehr schätzt als Perfektion, der Kratzer als Geschichten liest und Kalk als Zeichen harter Arbeit versteht. Schön im eigentlichen Sinne ist das Ding nicht mehr, aber ein ehrlicher Arbeiter mit warmem Herzen und heißer Sohle.